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Ratgeber

Die Zinstreppe

6 Min. Lesezeit · Stand: 7. September 2026

Wer Festgeld anlegt, steht vor derselben Frage: kurz binden und flexibel bleiben, oder lang binden und den Satz sichern? Die Zinstreppe beantwortet sie nicht — sie umgeht sie. Statt einer Entscheidung für eine Laufzeit verteilen Sie das Kapital auf mehrere und lassen jedes Jahr eine Tranche fällig werden.

Das Prinzip

Sie teilen Ihren Anlagebetrag in gleich große Stücke und legen jedes über eine andere Laufzeit an — zum Beispiel über 12, 24, 36 Monate. Nach zwölf Monaten wird die erste Tranche frei. Brauchen Sie das Geld, nehmen Sie es. Brauchen Sie es nicht, legen Sie es erneut über die längste Laufzeit an. Ab dann wird Jahr für Jahr eine Tranche fällig, während der Rest zum langen Satz weiterläuft.

Das Ergebnis ist eine Anlage, die sich wie ein Mittelding aus Fest- und Tagesgeld verhält: Ein Teil des Kapitals ist stets in Reichweite, der größere Teil bleibt langfristig verzinst. Gegen steigende Zinsen sind Sie ebenfalls besser aufgestellt — jedes Jahr wandert ein Stück Ihres Geldes zum dann aktuellen Satz.

Ein Beispiel über 300.000 €

TrancheBetragLaufzeitBester SatzZins im ersten Jahr
1100.000 €12 Monate4,70 %4.700 €
2100.000 €24 Monate4,70 %4.700 €
3100.000 €36 Monate4,70 %4.700 €
Treppe gesamt300.000 € Ø 4,70 %14.100 €
Alternative: alles auf 36 Monate36 Monate5,05 %15.150 €

Sätze aus dem aktuellen Vergleich, Zinsen des ersten Jahres vor Steuern. Bester Anbieter der ersten Stufe: Rabobank (Niederlande).

Was die Treppe hier kostet

Die Aufteilung kostet im ersten Jahr 1.050 € — nicht wegen der Laufzeiten, sondern wegen der Betragsstaffel: 300.000 € am Stück liegen in der Stufe „ab 200.000 €“, die Tranchen zu 100.000 € nur in „ab 100.000 €“. Dafür haben Sie nach zwölf Monaten 100.000 € frei verfügbar, statt drei Jahre gebunden zu sein.

Die Grenze: zu kleine Tranchen

Die Zinstreppe hat eine natürliche Untergrenze, und sie liegt nicht bei den Laufzeiten, sondern beim Betrag. Banken vergeben ihre besten Konditionen an größere Tranchen — wer zu fein aufteilt, rutscht mit jedem Stück eine Staffelstufe nach unten.

Rechenbeispiel: 100.000 € am Stück bringen über 12 Monate 4,70 %. Auf fünf Tranchen zu 20.000 € verteilt, fällt jede in die Stufe „unter 25.000 €“ und wird mit 2,80 % verzinst — ein Unterschied von 1.900 € im Jahr. Bei diesem Volumen sind zwei Stufen sinnvoller als fünf, oder die Treppe ist schlicht das falsche Werkzeug.

Als Faustregel: Jede Tranche sollte für sich groß genug bleiben, um die Staffelstufe zu halten, die Sie auch ungeteilt erreichen würden. Welche Stufe für welchen Betrag gilt, zeigt der Zinsrechner direkt unter dem Betragsfeld an.

Treppe und Einlagensicherung

Ein Nebeneffekt spricht für die Aufteilung: Legen Sie die Tranchen bei verschiedenen Instituten an, greift die gesetzliche Sicherung von 100.000 € je Institut mehrfach. Bei einer Treppe über 300.000 € mit drei Instituten ist der gesamte Betrag abgedeckt, bei einem einzigen Institut nur ein Drittel. Wie die Systeme in den einzelnen Ländern funktionieren, steht im Beitrag zur Einlagensicherung.

Für wen sich die Treppe lohnt

  • Größere Vermögen. Ab etwa 150.000 € lassen sich mehrere Tranchen bilden, ohne die Staffelstufe zu verlieren.
  • Unsichere Zinserwartung. Wer nicht einschätzen mag, wohin die Sätze laufen, legt sich mit der Treppe nicht auf eine Richtung fest.
  • Wiederkehrender Bedarf. Wenn absehbar jedes Jahr ein Teilbetrag gebraucht wird, ersetzt die Treppe das Tagesgeld — zu deutlich besseren Sätzen.
  • Beträge über der Sicherungsgrenze. Die Aufteilung auf mehrere Institute ist ohnehin geboten; verschiedene Laufzeiten kosten dann nichts extra.

Nicht sinnvoll ist die Treppe bei kleinen Beträgen, bei feststehendem Auszahlungstermin — dann wird die Laufzeit einfach auf den Termin gelegt — und dann, wenn der Notgroschen noch fehlt. Der gehört aufs Tagesgeld, nicht in eine Bindung.