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Festgeld oder Tagesgeld?

6 Min. Lesezeit · Stand: 7. September 2026

Beide Anlageformen sind Einlagen bei einer Bank, beide sind bis 100.000 € gesichert, beide bergen kein Kursrisiko. Der Unterschied steckt in einem einzigen Punkt — und der entscheidet über mehrere hundert Euro im Jahr: Beim Tagesgeld darf die Bank den Zins jederzeit ändern, beim Festgeld nicht.

Der Unterschied in einer Tabelle

 FestgeldTagesgeld
ZinssatzFür die gesamte Laufzeit vertraglich zugesagtVariabel, von der Bank jederzeit anpassbar
VerfügbarkeitErst zum Laufzeitende; vorzeitige Auflösung nur in HärtefällenTäglich, ohne Kündigungsfrist
Laufzeit12 bis 60 Monate, je nach InstitutUnbefristet
ZinsniveauIn der Regel höher, weil die Bank fest kalkulieren kannIn der Regel niedriger; Aktionszinsen laufen nach wenigen Monaten aus
EinlagensicherungIdentisch — 100.000 € je Institut und Einleger im gesetzlichen System des Sitzlandes
KursrisikoKeines. Der Nennwert bleibt erhalten, das Risiko liegt allein bei der Bank.

Was der Unterschied kostet

Nehmen wir 100.000 € über zwölf Monate. Der beste Festgeldsatz in unserem Vergleich liegt derzeit bei 4,70 % p.a. Für das Tagesgeld nehmen wir beispielhaft 2,00 % an — ein Satz, den die Bank am Tag nach Ihrer Einzahlung senken darf.

VarianteZinssatzZinsertrag nach 12 Monaten
Festgeld, Satz zugesagt4,70 %4.700 €
Tagesgeld, Annahme konstant2,00 %2.000 €
Unterschied2,70 %2.700 €

Beispielrechnung vor Steuern. Der Tagesgeldsatz ist eine Annahme und keine Kondition aus unserem Vergleich — variable Sätze lassen sich nicht seriös für ein ganzes Jahr vorhersagen. Genau das ist der Punkt: Beim Festgeld steht die rechte Spalte am ersten Tag fest, beim Tagesgeld erst am letzten. Ihren eigenen Betrag rechnen Sie im Zinsrechner durch.

Wann Festgeld die bessere Wahl ist

  • Das Geld hat keinen Termin. Sie wissen, dass Sie den Betrag im nächsten Jahr nicht brauchen — etwa Rücklagen jenseits des Notgroschens oder Kapital aus einem Verkauf.
  • Sie erwarten fallende Zinsen. Wer heute einen Satz für 36 oder 60 Monate festschreibt, behält ihn auch dann, wenn die Notenbank den Leitzins senkt. Das Tagesgeld folgt der Senkung binnen Wochen.
  • Planbarkeit zählt. Bei Ausgaben mit festem Datum — Studienbeginn, Renovierung, Übergabe — lässt sich die Laufzeit exakt auf den Termin legen.
  • Sie möchten keine Angebote hinterherjagen. Tagesgeld-Aktionszinsen gelten typischerweise drei bis sechs Monate; danach beginnt die Suche von vorn.

Wann Tagesgeld die bessere Wahl ist

  • Notgroschen. Drei bis sechs Monatsausgaben gehören auf ein Konto, an das Sie am selben Tag herankommen — nicht in eine Bindung.
  • Unklarer Zeitpunkt. Wenn eine größere Ausgabe ansteht, deren Datum offen ist, wiegt die Verfügbarkeit schwerer als ein bis zwei Prozentpunkte Zins.
  • Parkposition. Geld, das kurzfristig anders eingesetzt werden soll, liegt im Tagesgeld richtig.

Die übliche Aufteilung

Sie müssen sich nicht entscheiden. In der Praxis bewährt sich eine Zweiteilung: der Notgroschen und alles mit unklarem Termin ins Tagesgeld, der planbare Rest ins Festgeld. Wer den Festgeldteil zusätzlich auf mehrere Laufzeiten verteilt, hält jedes Jahr eine Tranche frei, ohne den langen Zins aufzugeben — das Prinzip der Zinstreppe.

Was bei vorzeitigem Bedarf gilt

Festgeld ist während der Laufzeit grundsätzlich nicht kündbar. Viele Institute lassen eine vorzeitige Auflösung in Härtefällen zu — dann entfällt in der Regel ein Teil der Zinsen oder es wird auf den Tagesgeldsatz zurückgerechnet. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es nicht, und die Regelung steht in den Bedingungen der jeweiligen Bank. Legen Sie deshalb nur Beträge fest, die Sie über die gesamte Laufzeit entbehren können.

Umgekehrt gilt beim Tagesgeld: Es gibt keine Zinsgarantie, aber auch keine Sperre. Manche Institute begrenzen den Aktionszins auf eine Höchstsumme; darüber hinausgehende Beträge werden zum niedrigeren Grundsatz verzinst. Ein Blick in die Konditionen lohnt sich in beiden Fällen.